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Im Weinberg auf den Spuren der Eltern

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Auf Umwegen kam Gilles Jacquemai zum Weinbau. Nun baut er das Angebot des Weinguts Wullschleger im Zofinger Riedtal aus.

Als 2017 im Riedtal die ersten Reben gepflanzt wurden, war Gilles Jacquemai vor allem Helfer – nicht Visionär. «Zum Wein hatte ich damals keinen besonderen Bezug», sagt er. Erst die intensive Auseinandersetzung mit Reben, Pflege und Kelterung weckte sein Interesse. Der entscheidende Moment: der erste Wein, an dem er selbst mitgewirkt hatte. «Das war ein richtig cooles Gefühl.» Während der Corona-Zeit wurde aus Interesse Leidenschaft. Nach beruflichen Veränderungen und einer Trennung verbrachte Jacquemai viel Zeit im Rebberg seiner Eltern. «Plötzlich fühlte es sich nicht mehr wie Arbeit an.» Heute absolviert er seine Winzerlehre beim Weingut Irsslinger in Wangen (SZ) – ein Betrieb, den er bewusst nach Philosophie und Arbeitsweise ausgewählt hat. «Neben Fachwissen zählt auch, ob jemand offen ist und Wissen teilt.»

Ein Familienprojekt wächst 
Das Weingut Wullschleger ist jung: Ursprünglich als Hobby gestartet, bewirtschaftet die Familie heute rund zwei Hektaren mit pilzwiderstandsfähigen Sorten wie «Cabernet Jura» oder «Johanniter ». Dass eines der Kinder den Betrieb weiterführen könnte, war nie geplant. «Umso schöner ist es jetzt», sagt Mutter Cornelia Jacquemai – auch wenn sie anfangs auf eine fundierte Winzer-Ausbildung bestand. 

Erste eigene Handschrift
Noch während der Lehre vinifizierte Gilles Jacquemai seine ersten eigenen Weine: einen Süsswein Rosarot und einen Eichenenfass ausgebauten Johanniter Blanc Barrique. Rund 300 Flaschen pro Sorte entstanden. Der Rosarot kam besonders gut an, der Weisswein darf noch reifen – im Glas wie in der Entwicklung. «Ich weiss, woran ich arbeiten muss», sagt er. Langfristig will Jacquemai nicht nur Wein produzieren, sondern einen Ort der Begegnung schaffen. «Es geht mir nicht ums Reichwerden, sondern um Erlebnisse.» Wenn Menschen seine Weine mit schönen Momenten verbinden, habe er sein Ziel erreicht. Für Riedtal-Winzer Martin Wullschleger ist klar: «Gilles steht für eine neue Generation – und das macht Freude.»

RAPHAEL NADLER, Mai 2026